Das IX. Konzil zu Eressea ist ein, seit dem Monat Herdfeuer im
Jahre 4 des zweiten Zeitalters, bestehender völkerrechtlicher Zusammenschluß souveräner Inselstaaten, mit dem Ziel
der Sicherung des Friedens auf Eressea.
Regierungssitz des Konzils ist die Stadt Thalassa inmitten der fruchtbaren Ebenen von Candranor.

Verehrte Konziliare,
Verehrte Bürger der IX.Welt,
Verehrte Mitglieder der Goldenen Allianz,

ich habe in meiner Eigenschaft als amtierender Präsident die Aufgabe, das Konzil für Sicherheit und Zusammenarbeit in Eressea, nach sechs Jahren, im Herdfeuer des zehnten Zeitalters, für gescheitert zu betrachten und aufzulösen. Diese Entscheidung wurde vor einigen Stunden im Rat der Völker gefällt.

Alle bestehenden Verträge des IX. Konzils mit anderen Bündnissen sind somit gegenstandslos. Eine Verpflichtung für einzelne Inselbündnisse die Verträge zu übernehmen besteht nicht.

Zur Begründung: Vor einigen Monden hatte sich das IX. Konzil, der Weisse Rat, die Mittelmeerallianz, der Apologetische Rat und die Phoenizische Handelsföderation entschlossen, gemeinsame Politik als Gegenpol zum Bund von Kir'o'lal in der neunten Welt gestalten zu wollen. Hierzu bedurfte es vieler Vorbereitungen und Absprachen, die leider nur sehr langsam voran kamen, da es doch sehr unterschiedliche Meinungen zum Verhältnis mit dem mächtigen Bunde von Kir'o'lal gab. Viele Herrscher konnten sich ein Leben an der Seite Kir'o'lals nicht vorstellen, die etwas gemäßigteren rieten jedoch genau hierzu, da man sich vor der Macht des Bundes fürchtete.

In diese Zeit der Verhandlungen kam der Freitod des ehrenwerten Shoguns Minamto Yoritomo. Zum damaligen Zeitpunkt für alle ein unerhörtes Ereignis, das wir nicht verstehen und noch weniger akzeptieren wollten. Doch schon damals war uns der Shogun eine Länge voraus. Wir, die wir in unserer Überheblichkeit davon träumten ein großes Bündnis zu formieren, verschlossen unsere Augen vor der Verschlagenheit des Bundes von Kir'o'lal. Der Shogun als einziger erkannte, dass sein geliebter Weisser Rat und alle umliegenden Großbündnisse von Feinden unterminiert wurde, und er als einziger erkannte wie weit die Finger des Bundes von Kir'o'lal schon ausgestreckt waren. Jedes Volk der IX. Welt das einen offiziellen Herrscherwechsel hinter sich hatte konnte vom Bunde von Kir'o'lal umgedreht worden sein. Er konnte keinem mehr trauen und entschloss sich konsequenterweise diese Welt zu verlassen.

Doch noch immer wollten wir das gesamte Ausmaß der Katastrophe in der neunten Welt nicht erkennen. Wir wollten nicht erkennen, dass alle Missgeschicke und alles Pech der letzen Wochen nicht etwa auf der Unfähigkeit einzelner Herrscher beruhte, sondern einzig und allein das Machwerk eines groß angelegten Betrügers waren. Eines Betrügers der sich nicht zu schade war über Jahre hinweg lange Reisen in kauf zu nehmen um sich in den innersten Zirkel des IX. Konzils einzuschleichen. Noch heute erschaudere ich, wenn ich daran zurückdenke, dass diese Person an meiner Türschwelle stand, von meinem Teller gegessen und meine Gastfreundschaft genossen hatte. Noch heute überkommt mich ein Gefühl des Ekels wenn ich an die Zeit zurückdenke, als er, Argonar, zu Gast in der Villa Konzil meine Hand schüttelte und ich ihn herzlich als einen Freund willkommen hieß.

Diese Person, die sich jetzt nicht zu schade ist, alle von ihm so heimlich gesammelten Interna der Eresseaöffentlichkeit preisgeben zu wollen, hat uns im tiefsten Innern getroffen. Keine verlorene Schlacht richtete jemals einen größeren Schaden in unseren Herzen an als dieser groß angelegte Verrat. Wenn unsere Frauen und Kinder nicht mehr ruhigen Gewissens einschlafen können, weil er weiss wo wir wohnen, und wie wir wohnen, dann bleibt uns wahrlich nichts weiter übrig als weiterzuziehen und zu hoffen ihm niemals mehr begegnen zu müssen.

Doch jedem Herrscher ist es von nun an freigestellt, ob und wie er den Kampf gegen die Verlogene Allianz aufnehmen möchte. Eine Allianz deren Gründung auf Verrat basiert, eine Allianz die die Parteienbörse als Machtinstrument missbraucht um sich in Bündnisse einzuschleichen, in denen sie eigentlich politisch nichts verloren haben. Eine Allianz die es mehrfach geschafft hat sich nahezu in jedes Bündnis der IX. Welt per Parteiübernahme einzuschleichen.

Natürlich waren wir auch nicht zimperlich im Umgang mit unseren Gegnern. Auch wir haben keinen diplomatischen Kniff und keine falsch gestreute Information ausgelassen um unser Ziel zu erreichen. Auch wir haben Fehler gemacht, seien es die Machenschaften von Barashac Thoranagash oder von Mannochmore von den Uisge Beatha. Aber jetzt, in der Stunde der Not, jetzt, wenn das Gewürm von Garmlingshausen wieder sein stinkendes Maul aufreisst, oder die Stimme von Kir'o'lal die sich erdreistet, trotz vernichtender Niederlage auf Ragath große Reden zu schwingen und ewige Feindschaft zu schwören. Jetzt, jetzt in dieser Stunde zeigt es sich, dass unsere vergeblichen Anstregungen gegen die Hand von Papua und den Bund von Kir'o'lal richtig waren, auch wenn wir letztendlich scheitern mussten.

Einige, obwohl ich es sehr bedauere, werden sich wohl nicht mehr aufraffen können, den Betrügern die Stirn zu bieten. Sie werden sich mit ihren Familien ein anderes, sicheres Zuhause in den neuen Welten suchen. Wir anderen, unter ihnen auch Grammond McTorwick und sein Volk die Tuathaan, oder Tachlaar Nermok McFrigg vom Kichon-Clan, die wir aus verschieden persönlichen Gründen zum ausharren verdammt sind, werden uns in unsere Heimatregionen zurückziehen und an den Händen haltend dem unvermeidlichen Ende ins Auge sehen müssen.

Es ist die zweite Woche des Monats Herdfeuer im zehnten Jahr des zweiten Zeitalters.

Das IX. Konzil existiert nicht mehr.